… after death of teenage girl Kieran Guilbert Dakar (Thomas Reuters Foundation).
So begann eine whatsapp-Nachricht in der Gruppe EHs Salone, zu der wir jetzt auch gehören. Neben ganz alltäglichen Dingen werden hier auch immer wieder politische oder unsere Arbeit betreffende Themen ausgetauscht.
Dabei liest man in der whatsapp weiter, dass FGM-Female Genitale Mutilation, die Beschneidung junger Mädchen hier zum Alltag gehört. UNICEF gehe von einem 90%- Anteil beschnittener Frauen aus und die Nachricht bestätigt den Tod der 19-jährigen Fatmata Turay wenige Tage vor Kierans Tod, ebenfalls während der Beschneidung durch Frauen einer sogenannten secret society.
Nur zur Veranschaulichung, weil Statistiken so kalt und abstrakt sind: Wenn ich hier mal wieder zu Fuß Richtung SLADEA-Büro unterwegs bin und alle Frauen, die mir begegnen, durchzählen würde, dann wäre nur jede Zehnte, also Nr. 10, 20, 30, 40, …. , eine Frau, die nicht verstümmelt wurde, der keine Gewalt angetan wurde als junges Mädchen.
Secret societies sind wohl ein wichtiger Bestandteil des Lebens in Sierra Leone aber eben secret. Manchmal finden ihre Rituale wie Tänze oder Märsche auch öffentlich statt. Es gibt für uns aber die klare Anweisung der Kolleg*innen, nicht zu neugierig zu sein, zu Fotografieren oder gar Fragen zu stellen. Die wirklich entscheidenden Dinge finden aber geheim statt. Und dazu gehört auch die Initiation, d.h. die Einführung der Jugendlichen in die Welt der Erwachsenen mit ihren Rechten und Pflichten. Wer das hinter sich hat, ist also heiratsfähig und damit schließt sich der Kreis zu FGM.
Und (aus meiner Sicht) zum Kern des Problems: Es sind zwar immer Frauen, die als Beschneiderinnen arbeiten (so weit ich weiß), es geht aber um die Macht der Männer.
Eine nicht beschnittene Frau wird garantiert fremdgehen und ihren Mann betrügen. Das ist die Männer-Logik, der alles zugrunde liegt. Also ist sie sozial geächtet und wird nie heiraten können. Dies aber ist das größte Unglück, das einer Frau hier passieren kann, da traditionell die Männer als „Ernährer“ die Familie absichern und die Kinder ihre Eltern im Alter versorgen.
Nur so ist für mich zu erklären, wie eine Mutter, die diese Grausamkeit selbst erlebt hat, ihre Tochter in die Hände von Beschneiderinnen geben kann oder sogar noch diese bei ihrer „Arbeit“ durch Festhalten des Mädchens unterstützen kann.
Noch ein bißchen Sarkasmus: Was war die gute Seite von Ebola in Sierra Leone?
Die Regierung hatte FGM verboten, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.
Das Verbot gilt zwar immer noch, Sierra Leone gilt aber wieder als Ebola-frei und somit vielleicht auch wieder das alte Gesetz, das FGM als legal erklärt. Das müsste aber mal jemand klären, der sich im angelsächsischen Rechtsverständnis auskennt.
Nicht zu klären, aber glaubhaft, ist die Aussage von Adwoa Kwateng-Kluvitse:“There are lots of rural girls who would have died and been buried without anyone taking notice.“
Sie und viele andere Frauen arbeiten in Gruppen wie FORWARD und EQUALITY NOW für die Rechte von Frauen und Mädchen und insbesondere für die Aufnahme von FGM in das Strafgesetzbuch.
Wenn auch als eines der letzten westafrikanischen Länder, aber immerhin, hat Sierra Leone das sogenannte Maputo Protkoll ratifiziert, das unter anderem auch FGM, Gewalt gegen Frauen und Kinder und Zwangsheirat für illegal erklärt. Bleibt noch die Umsetzung in Gesetzesform und die Strafverfolgung durch Polizei und Staats-anwaltschaft. Und die Akzeptanz in einer männer-dominierten Welt, in der wir aber schon viele starke Frauen kennengelernt haben.
Frauen wie Adwoa Kwateng-Kluvitse in ihrer Arbeit zur Aufklärung ihrer Gesellschaft im Kampf gegen FGM und Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu unterstützen, ist eine sehr sinnvolle Sache. Weil nur sie es schaffen werden, Mütter in ganz Sierra Leone darin zu bestärken, dieser Gewalt gegen ihre Töchter eine Ende zu setzen.
Gunther





















