Sierra Leone urged to ban FGM

… after death of teenage girl Kieran Guilbert Dakar (Thomas Reuters Foundation).

So begann eine whatsapp-Nachricht in der Gruppe EHs Salone, zu der wir jetzt auch gehören. Neben ganz alltäglichen Dingen werden hier auch immer wieder politische oder unsere Arbeit betreffende Themen ausgetauscht.

Dabei liest man in der whatsapp weiter, dass FGM-Female Genitale Mutilation, die Beschneidung junger Mädchen hier zum Alltag gehört. UNICEF gehe von einem 90%- Anteil beschnittener Frauen aus und die Nachricht bestätigt den Tod der 19-jährigen Fatmata Turay wenige Tage vor Kierans Tod, ebenfalls während der Beschneidung durch Frauen einer sogenannten secret society.

Nur zur Veranschaulichung, weil Statistiken so kalt und abstrakt sind: Wenn ich hier mal wieder zu Fuß Richtung SLADEA-Büro unterwegs bin und alle Frauen, die mir begegnen, durchzählen würde, dann wäre nur jede Zehnte, also Nr. 10, 20, 30, 40, …. , eine Frau, die nicht verstümmelt wurde, der keine Gewalt angetan wurde als junges Mädchen.

Secret societies sind wohl ein wichtiger Bestandteil des Lebens in Sierra Leone aber eben secret. Manchmal finden ihre Rituale wie Tänze oder Märsche auch öffentlich statt. Es gibt für uns aber die klare Anweisung der Kolleg*innen, nicht zu neugierig zu sein, zu Fotografieren oder gar Fragen zu stellen. Die wirklich entscheidenden Dinge finden aber geheim statt. Und dazu gehört auch die Initiation, d.h. die Einführung der Jugendlichen in die Welt der Erwachsenen mit ihren Rechten und Pflichten. Wer das hinter sich hat, ist also heiratsfähig und damit schließt sich der Kreis zu FGM.

Und (aus meiner Sicht) zum Kern des Problems: Es sind zwar immer Frauen, die als Beschneiderinnen arbeiten (so weit ich weiß), es geht aber um die Macht der Männer.
Eine nicht beschnittene Frau wird garantiert fremdgehen und ihren Mann betrügen. Das ist die Männer-Logik, der alles zugrunde liegt. Also ist sie sozial geächtet und wird nie heiraten können. Dies aber ist das größte Unglück, das einer Frau hier passieren kann, da traditionell die Männer als „Ernährer“ die Familie absichern und die Kinder ihre Eltern im Alter versorgen.

Nur so ist für mich zu erklären, wie eine Mutter, die diese Grausamkeit selbst erlebt hat, ihre Tochter in die Hände von Beschneiderinnen geben kann oder sogar noch diese bei ihrer „Arbeit“ durch Festhalten des Mädchens unterstützen kann.

Noch ein bißchen Sarkasmus: Was war die gute Seite von Ebola in Sierra Leone?
Die Regierung hatte FGM verboten, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.
Das Verbot gilt zwar immer noch, Sierra Leone gilt aber wieder als Ebola-frei und somit vielleicht auch wieder das alte Gesetz, das FGM als legal erklärt. Das müsste aber mal jemand klären, der sich im angelsächsischen Rechtsverständnis auskennt.

Nicht zu klären, aber glaubhaft, ist die Aussage von Adwoa Kwateng-Kluvitse:“There are lots of rural girls who would have died and been buried without anyone taking notice.“
Sie und viele andere Frauen arbeiten in Gruppen wie FORWARD und EQUALITY NOW für die Rechte von Frauen und Mädchen und insbesondere für die Aufnahme von FGM in das Strafgesetzbuch.

Wenn auch als eines der letzten westafrikanischen Länder, aber immerhin, hat Sierra Leone das sogenannte Maputo Protkoll ratifiziert, das unter anderem auch FGM, Gewalt gegen Frauen und Kinder und Zwangsheirat für illegal erklärt. Bleibt noch die Umsetzung in Gesetzesform und die Strafverfolgung durch Polizei und Staats-anwaltschaft. Und die Akzeptanz in einer männer-dominierten Welt, in der wir aber schon viele starke Frauen kennengelernt haben.

Frauen wie Adwoa Kwateng-Kluvitse in ihrer Arbeit zur Aufklärung ihrer Gesellschaft im Kampf gegen FGM und Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu unterstützen, ist eine sehr sinnvolle Sache. Weil nur sie es schaffen werden, Mütter in ganz Sierra Leone darin zu bestärken, dieser Gewalt gegen ihre Töchter eine Ende zu setzen.

Gunther

 

 

A te*l God te*nki

Zweiter Besuch in Lungi hieß zweite Fahrt mit der berühmten Fähre. Diesmal fahrplanmässig.

Und dabei trifft man “alte Bekannte”: Die Lkw der LeoneCement, einer Tochterfirma von Heidelberg-Zement. Sie bringen den Nachschub für die diversen Baustellen in Freetown aber auch im ganzen Land. Neben dem Fahrer gibt es immer mehrere Halbwüchsige (ich würde mich nicht wundern, wenn sie in dem Lkw auch wohnen), die für das Be- und Entladen der Zementsäcke zuständig sind.

Der Zustand dieser Gefährte ist für TUEV-gewohnte Autofahrer nur abenteuerlich zu nennen. Ein besonderer Fall ist dieser blau-weisse MAN-Lkw, der seine besseren Tage bestimmt irgendwo in Europa zugebracht hat.IMG_3778

Oft kann man auch bei den kleineren Lieferwagen noch die alten Firmennamen und Adressen entziffern. Die meisten waren in Deutschland oder Holland im Einsatz gewesen.

In Freetown gibt es einen, der wirbt für Bioprodukte aus Heidenheim! Da kommen immer heimatliche Gefühle auf.

Zurück zum MAN. Er stand auf der Fähre genau neben uns und während die Jungs sich die Zeit mit Karten spielen vertrieben konnte ich einen Blick auf ihn werfen. Von den 8 Radmuttern auf der Vorderachse beim Beifahrer gab es nur noch 5, der Rückspiegel auf der Beifahrerseite war nicht vorhanden und den Einstieg in die Fahrerkabine erledigten die Beifahrer meist durch das offene Fenster oder durch kräftige Tritte gegen die Tür. Dies führte aber zu lautstarken Kommentaren der Autofahrer, die mögliche Dellen in ihren Autos befürchteten. Auf weitere Inspektion des technischen Zustands habe ich verzichtet.

Bei unserer ersten Begegnung war mir dieser Lkw aber wegen einer ganz anderen Sache aufgefallen. Damals konnte ich miterleben, wie der Fahrer den Motor startete und auf die Fähre hochfuhr. Wir haben früher immer vom “Orgeln” gesprochen, wenn ein Auto nicht anspringen wollte. In diesem Sinne spielte sich hier ein ganzes Orgelkonzert ab bis der Motor zum Laufen kam. Dabei produzierte er eine weisse Abgaswolke, die Freetown mosquitofrei gemacht hätte, wäre es nicht hellichter Tag gewesen (Malaria-Mosquitos sind nachtaktiv). Die Intensität blieb erhalten, als der Fahrer durch Hochhalten der Drehzahl den Motor am Laufen hielt. Und sie wurde beim Hochfahren auf die Fähre noch gesteigert, hier muss der Fahrer endgültig das Bodenblech durchgetreten haben.IMG_3779

Wir hatten uns in sicherer Entfernung plaziert und konnten so gut die Aufschrift an der Front des Lkw lesen: “Ar te*l God te*nki” – “Ich danke Gott”. (Das r ein Schreibfehler?)

Wir waren uns einig, dass es dafür viele gute Gründe gibt: … dass der Motor anspringt und läuft, … der Lkw auf das Schiff hochkommt, … die Polizei mich weiter fahren lässt, … die technische Sicherheitskommission die Lizenz nicht entzieht, … ich das alles überlebe ………………

 

Gunther

Die LANDCRUISER-Schrauber-Crew

Sigis Toyota IKEA Landcruiser

(aus der Sicht der Schrauber erzählt → Perspektivenwechsel. Zeitgleich mit Sigis Beitrag enstanden. Die IKEA-Idee war nicht abgesprochen. Unsere Paartherapeutin wird sich über soviel Gemeinsamkeit freuen ;-)) )

Während wir in Bo waren kam die Nachricht, dass Sigis Landcruiser angekommen und von SLADEA in Empfang genommen war.

Am Montag nach unserer Rückkehr brachte dann Mohammad, der Fahrer von SLADEA, das Auto hoch zu uns und stellte es vor die Tür. D.h. in den umzäunten Compound des Hauses.

Überraschung am Dienstag bei genauerem Hinsehen: Es fehlte ein Scheibenwischer, diverse Knöpfe an Schaltern für Gebläse und Klimaanlage, und die Knäufe für Schalthebel von Getriebe und 4-Rad-Antrieb. Und das Auto hatte keinen Gepäckträger! Die Zusatzausstattung, die uns bisher die grössten Dienste an meinem Toyota geleistet hatte. War das alles auf dem Weg von Valencia (Spanien), dem Ursprungsort laut Frachtpapieren, nach Freetown auf der Strecke geblieben?

Aber da waren ja noch zwei Kartons und eine mit Kette und Vorhängeschloss gesicherte blaue Metallbox im Laderaum des Autos. Beim Auspacken der Kisten kamen die Einzelteile des Gepäckträgers zum Vorschein und auch der Schlüssel zum Vorhängeschloss fand sich im Büro von SLADEA in der Stadt. Mohammad brachte ihn hoch nach IMATT und in der Box war neben Wagenheber und Minimalwerkzeug alle fehlenden Knöpfe, Knäufe, Scheibenwischer und das Aufsteckbedienteil des Pioneer-Autoradios. Sigi hatte demnach ihr Auto in der IKEA-Version zum Zusammenbau erhalten.

                      Das Muster!                    Teile sortieren              Waschen ohne Seife?
Die
spinnen, die Deutschen.

Ich hatte auf Afigu, den Fahrer von SLOIC gesetzt, weil ich dachte, er hätte diese Bastelarbeiten schon einmal an meinem Auto gemacht. Denkste! SLOIC hatte sein Fahrzeug natürlich über die Toyota-Generalvertretung Sierra Leone “schlüsselfertig” bezogen.

Dass das Auto über und über mit Staub bedeckt war, war ein kleineres Problem. Alhaji hatte schon am Montag angekündigt, dass er das Auto waschen werde. Davon, dass er dafür Wasser mit Waschpulver verwendet, konnte ich ihn abbringen. Davon, dass er auch die Reifen rundum inklusive Lauffläche abbürstet, nicht.

Zur Ehrenrettung von IKEA: Da wird wenigstens ein Bauplan und Werkzeug mitgeliefert. Beides hatten wir hier nicht, nur die beiden Schraubenschlüssel des Autos konnten wir einsetzen! Deswegen haben wir erst mal Teile sortiert, mit dem Träger auf meinem Auto immer wieder verglichen und mit meiner kleinen Werkzeugsammlung die diversen Schrauben und Muttern angezogen.

                         Die Schrauber …. und ihr Werkzeug. Es lebe der Bosch-Minirätschensatz!

Natürlich gab es dabei auch das berühmte IKEA-Erlebnis “Wir sind fertig, haben aber noch Teile übrig”. Nach zwei kleineren Umbauten war es dann endgültig geschafft. Alle Teile passend verbaut und mit kräftigem Zupacken, Drücken, Treten und Ziehen der Schraubercrew auch sicher an der Dachrinne des Landcruisers befestigt.

Positiver Nebeneffekt: Zur Belohnung und zur “Taufe” des Autos gingen wir mit unseren 3 Helfern zum Mittagessen und haben dabei ein nettes, kleines Restaurant in der Nähe von Ibrahim Drive mit leckeren Kassava leafs entdeckt.

Jetzt stehen also zwei Toyota Landcruiser vor unserer Tür und wir könnten immer schön hintereinander her in’s Büro und zurück fahren. Dann hat aber Sigi ein Problem, weil es bei ihrem Büro eigentlich gar keinen weiteren Parkplatz für das Auto gibt.

Mein Plan wäre gewesen: Ihr Zwei kriegt zusammen ein Auto und plant eure Reisen entweder zusammen oder eben so, dass ihr mit dem einen Fahrzeug auskommt. Nächste Woche werde ich Gelegenheit haben, bei dem orientation-meeting mit den CPS (Civil Peace Service)-Koordinatoren etwas zur vehicle policy von CPS zu hören. Vielleicht gibt es da Antworten auf die Fragen, die ich schon in Berlin bei BfdW gestellt habe.

Car mechanics

Yuhuu, das Projektauto ist angekommen: ein Toyota Landcruiser, den ich fuer die vielen Besuche in den Branches benutzen kann. A la IKEA war noch Einiges zu montieren, aber kein Problem. Ein sachkundiges Team bestehend aus Afiju (SLOIC driver), Gunther, Mohammed (SLADEA driver) und Alhaji (der fuer die Sicherheit in unserem Appartment  sorgt) haben hervorragende Arbeit geleistet und den Dachgepaecktraeger und andere Kleinigkeiten ruck zuck montiert. Ich durfte nur noch die Fussmatten reinlegen. Wow.

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Und hier das Ergebnis:

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V.l.n.r.: Afiju, Gunther, Mohammed, Alhaji

Plenti te*nki – Vielen Dank.

Kick off at the Branches of SLADEA

Endlich: Ein Team von SLADEA, bestehend aus dem Executive Secretary Bamike Williams, einem Filmemacher, der Jugendleiterin von SLADEA, dem Fahrer und mir, besuchten die drei Branches von SLADEA in Porto Loko, Magburaka und Makeni (das sind 3 von 15 Branches).  Ziel war, die Jugendarbeit und meine zukuenftige Arbeit vorzustellen und mit den Mitgliedern, Trainer*innen, Koordinator*innen und Vorsitzenden zu diskutieren.

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Auf dem Foto v.l.n.r. in Makeni: Chairman der Branch, Youth Leader, Chef Bamike Williams, Sigi bei einer Demo ‚Perspektivenwechsel‘.

‚Wie sind wir es gewohnt, unsere Haende zu falten? Welcher Damumen liegt oben? Und wie fuehlt es sich an, wenn wir den anderen Daumen hochnehmen?‘ Fremd, komisch oder ueberraschend angenehm? Diese Uebung hab ich von Mechthild Lensing gelernt und wir hatten Spass damit. Das diente zur Einstimmung, was uns erwartet, wenn wir in Zukunft voneinander lernen und ggf. Ungewohntes kennenlernen und ggf. in unsere Gewohnheiten uebernehmen.

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Das Hexgon kommt vielleicht manchen bekannt vor – ein Bestandteil des Toolkits zu Globalem Lernen des EPiZ. Hier, mit dem Logo von SLADEA versehen, soll es die Anliegen von der Organisation symbolisieren. 15 Haende stehen fuer die 15 Branches, die Mitte fuer die Ziele, die gemeinsam erreicht werden sollen:

SLADEA aims to increase young and adult learners’ general and academic insights and skills:

  • to improve their ability and desire to take responsibility for their own lives and

  • to play an active part in transformation processes in the society of SL with the vision and aim that all people in SL will have a fulfilling, good life in peace …

Meine beratende Taetigkeit soll mit einer partizipativen, gendersensitiven etc. Studie ‚Empowering SLADEA‘ beginnen, um herauszufinden, was schon super laeuft, wo die Herausforderungen liegen und welche Projekte und Massnahmen SLADEA staerken koennen. Aus diesen gemeinschaflichen Vorschlaegen fuer Massnahmen werden dann durch das ‚National Executive Committee‘ diejenigen ausgewaehlt, die verwirklicht werden sollen. Ich darf die Massnahmen dann begleiten.

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Das kann vieles umfassen, die berufsorientierten Kurse, wie ‚Tailory‘ oder die Kurse, die ‚lifeskills‘ und Allgemeinbildung vermitteln (literacy, numeracy, land grabbing, environment, peace conflict resolution, etc.). Aber auch Massnahmen zur Oeffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel ein Film ueber ‚life stories‘ von Lernenden, Netzwerkarbeit und Aktionen der SLADEA Jugend oder Lobbyarbeit in Richtung Kultusministerium.

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Hier seht ihr Alarini Bah, eine tragende Saeule der ‚Filmindustrie‘ von SLADEA, er wird die Dokumentation der Studie und das Filme machen unterstuetzen.

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Gemeinsames Essen war wie immer ein besonderes Highlight, die Frage war nur ‚vor dem meeting oder nach dem meeting?‘ Rechts im Bild unser Fahrer Mohammed. Eine sehr wichtige Person. Ein TN sagte nach einer Vorstellungsrunde: ‚Das Leben von SLADEA liegt in seinen Haenden.‘

Zum Schluss ein Gruppenbild aus Porto Loko:

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Bin ich jetzt schon ein salone man?

Das frage ich mich seit meiner Rückkehr aus Bo. Trotz Wochenende und Feiertag bin ich jeden Tag 5 Minuten vor 5 Uhr aufgewacht, um auf gar keinen Fall den Gebetsruf des Muezzin zu verpassen? Oder mache ich mir Sorgen, er könnte verschlafen und meine muslimischen Schwestern und Brüder ihr Morgengebet verpassen? Oder sollte ich ein erstes Gespräch darüber mit meiner Supervisorin führen? Das Gute ist, ich schlafe sofort wieder ein und bis 7.30 Uhr durch.

Heute morgen wache ich dann auf und friere fast. Bedeckter Himmel und ich denke, das ist aber mal kühl heute Morgen. Der Blick auf das Thermometer zeigt dann auch „nur!“ 26° C um 7.30 Uhr. Da ist die kalte Dusche fast schon eine Herausforderung. Und die tagsüber 30+x°C sind mit Hilfe unserer chinesischen Klimaanlage „Großer Wind“ auch zu ertragen. Wie sich mein Wärmeempfinden so rapide ändern konnte ist mir ein großes Rätsel.

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Noch läuft nur der chinesische Ventilator. Im März, dem heißesten Monat, wollen wir entscheiden, ob wir auf den Einbau einer Klimaanlage verzichten können (wie alle, die hier im Haus wohnen)

Apropos Dusche. Auch hier totale Adaption, weil die Pumpe, die das Wasser aus dem Brunnen hier nach oben schafft, ein Problem hatte. Deswegen war Sigi wieder auf Tour durch Kissy Road und hat mit Unterstützung ihrer Kollegen Eimer und traditionelle Dusche eingekauft. Ich kannte das schon von meinem Trip nach Mattru Jong, war also gar kein Problem.

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In Blau und Weiß die Dusche, die auch ohne Elektropumpe funktioniert. Die Gitarre habe ich ausgepackt, um dem „Day of Armed Forces“ in Sierra Leone „Weit in der Champagne“ und „Sag mir wo die Blumen sind“ entgegen zu setzen. An den Cotton Tree, das Wahrzeichen Freetowns, habe ich mich damit aber nicht getraut. Nächstes Jahr?

Und ein letztes Indiz, das dafür spricht: Ich kann schon gut unterscheiden, ob ich Kasava leaves oder Potatoe leaves vorgesetzt bekomme. Und nachdem ich Samstag Abend für Margret. Alhaji und mich Reis mit Rindfleisch in Tomaten-Erdnuss-Sauce gekocht habe, wurden auch keine Klagen laut und alle Teller leer gegessen. Margret haben wir im Hotel kennengelernt. Da arbeitet sie im Roomservice und hat gleich angeboten, an ihrem freien Tag für Ma und Pa Wäsche und Haushalt zu machen. Wir haben das gerne angenommern, auch weil wir sie mit diesem Zusatzverdienst bei den Studiengebühren für ihre Tochter unterstützen können. Der Vater der Tochter hat sie wegen einer anderen Frau verlassen.

Und Alhaji ist der Sohn des Vermieters, der noch die Englisch-Prüfung seines Schulabschlusses nachholen muss und jetzt als Security-Man für uns arbeitet (ich unterstelle seinem Vater, dass er auch gerne die Zusatzeinnahme zur Miete mitnehmen will und bin gespannt, bis wann er den geplanten Umbau eines kleinen Anbaus am Tor zum Minizimmer für seinen Sohn realisieren wird). Zum Glück wohnen wir in einer ruhigen Gegend. Bei Alhaji handelt es sich nämlich um einen sehr netten jungen Mann (beim gemeinsamen Frühstück und Abendessen kann man sich sehr gut mit ihm über alle möglichen gesellschaftlichen und politischen Themen unterhalten), der aber eher zur Gruppe „Spargeltarzan“ zählt. Wenn er also auf eine Gruppe „Testosterongangster“ treffen sollte, hoffe ich, dass er schneller laufen kann als diese.
Unterstützung hätte er in diesem Fall aber auch noch durch Maada, der von Körperbau und Muskelmasse her eher dem security-man entspricht und dessen Familie in direkter Nachbarschaft wohnt. Maada arbeitet für die Rechtsanwältin, die im Erdgeschoss wohnt.

Unsere „Ausstattung“ mit Hauspersonal entspricht also auch schon ganz den Gepflogenheiten. Allerdings nicht, dass Ma oder Pa für die Hausangestellten kochen und die auch noch am gleichen Tisch zum gemeinsamen Essen sitzen. Auch unser Umgangston mit ihnen entspricht nicht der Norm „Herumkommandieren“, die sehr häufig angewandt wird. In der Hinsicht fühlen wir uns ganz wohl dabei, ein bißchen anders zu sein, und damit möglicherweise auch ein kleines Beispiel von Zivilem Friedensprogramm abzugeben.

Außerdem sollte das Hauspersonal sehr viel häufiger „mein“ Auto waschen. Am Wochenende, wenn die beidem anderen Wohnungen auch noch mit Besuchern voll sind, ist Maada nur noch am Waschen. Und das heißt, dass auch Reifen zund Motorraum mit Seife und Bürste sauber geschrubbt werden. Da die Hauptstraße oben gerade Baustelle ist, d.h. der Teerbelag total entfernt ist, dürfte der Aufwand in kürzester Zeit wieder zunichte gemacht sein. Ich würde in Autowaschstraßen investieren. Die rotierenden Bürsten und das Durchfahrtserlebnis müssten eigentlich eine Atrraktion darstellen und die kommerziellen Anbieter, die es auch gibt, verlangen Preise, die den Normal-programmen bei uns in etwa entsprechen.

Und wir müssten eigentlich einen Fernseher haben. Die Kabel sind da, es bräuchte nur Satellitenschüssel und Flachbildschirm. Der läuft bei Ben im Büro den ganzen Tag durch. Auch im Eingangsbereich bei SLADEA koennen sich alle Mitarbeiter*innen und Gaeste auf dem Laufenden halten, z. B. ueber die aktuelle politische Lage und sie gleich diskutieren. Bei Ben kann mir aber nicht vorstellen, dass er bei den Besucherströmen, die er hat, irgendwas davon mitkriegt. Vielleicht schaut er aber auch selektiv nur das, was für SLOIC wichtig ist. Und immer, wenn ich bei ihm zuhause war, wurde ich zuerst in das Wohnzimmer geführt und der Fernseher eingeschaltet. Und manchmal gab es auch sehr interessante Sendungen zu sehen.

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Blick auf Ibrahim Drive. Wie steil er ist, kann man nur ahnen. Unten am Rand ist noch der Brunnen mit Maada und oben das Haus seiner Familie, in dem seine Schwester mit Kindern wohnt, zu sehen. Seine Mutter studiert und lebt nicht hier, vom Vater war noch keine Rede.

Der beste Fernseher hier aber ist unser Wohnzimmerfenster und, wie schon zu lesen, Sigis Bürofenster. Hier kriegt man das tägliche Leben live in Echtzeit. Und nachdem hier in unserem ummauerten Compound, DIE zuverlässigste Wasserquelle liegt, kommt die ganze Nachbarschaft zum Wasserholen. Die Straße, die hier herunter führt, ist so steil, dass man beim Hochfahren meint, in einem startenden Flugzeug zu sitzen. Die Menschen gehen in Serpentinen hoch (außer die kleinen Kindern, die RENNEN die Falllinie rauf und runter und haben Spaß dabei) und tragen dabei 20-30 Liter Wasser in Kanistern auf dem Kopf. Und wenn man sich an der Wasserpumpe trifft, dann wird viel miteinander geredet, gewartet bis alle Kanister gefüllt sind und dann gegenseitig beim Hochheben auf den Kopf geholfen. Im Gegensatz zu Lesotho können hier auch die Männer Lasten auf dem Kopf balancieren und Wäsche waschen! Das lustigste Bild (leider nur in meinem Gedächtnis) ist der Mann, der als Sozius eines Motoradtaxis ein langes Bündel Holzlatten auf dem Kopf trug. Dort natürlich auch mit den Händen festhielt, sonst hätte ich ihn sofort an den Zirkus weitervermittelt.

Gunther

 

 

 

„Die Welt“: State of emergency in Sierra Leone

Ich möchte zu Sigis Blog-Beitrag und dem statement von Sheku noch eine Ergänzung machen.

Ich war in Bo und deshalb mit meinen e-mails nicht ganz auf dem Laufenden, als mir Sigi bei einem abendlichen Telefongespräch von mails aus Berlin berichtete.
Aufgrund des Artikels in der „Welt“ hatte der Sicherheitsbeauftragte von Brot für die Welt das Länderreferat informiert (und Sicherheitsstufe ?? erklärt?). Daraufhin wurden alle Fachkräfte hier angemailt und um besondere Vorsicht und weitere Informationen für Berlin gebeten.

Meine Kollegen in Bo fanden das beim gemeinsamen Mittagessen sehr lustig und wollten gleich losziehen, um die Militärpatrouillen und Straßenblockaden zu besichtigen. Director Ben hat sofort die Fehlinterpretation der ja tatsächlich existierenden Aussage des Präsidenten erkannt und umfassend analysiert im Vergkeich zum realen state of emergency zu Ebola-Zeiten.

Ein Rätsel bleibt, wie einer so renommierten Zeitung wie der „Welt“ ein solcher Lapsus unterlaufen konnte. Für mich unbegreiflich.
Beruhigend für uns (das Ganze hat ja auch was Positives), ist, dass die Aufmerksamkeit bei Brot für die Welt und ihre Sorge um die Sicherheit ihrer Fachkräfte ganz schnell zu Reaktionen und eventuell notwendigen Reaktionen oder Richtigstellungen führt.
Allerdings nur, wenn wenigstens eine/r von uns seine e-mails checkt :-))).

Gunther

P.S.: So blieb der einzige Fall von emergency, dass meine Kollegen Mr.Smith und Mr.Samu (finance scretaries von SLOIC National Office und Teilnehmer der privilegierten Mittagessens-Runde bei Ben, bekocht von Mrs.Sei) zusammen mit Ben der Meinung waren, dass ich eindeutig zu wenig esse, insbesondere Reis.

Sierra Leone Politics aus der Sicht des CPS Koordinators Dr. Sheku Kamara

In Ergaenzung zum Blog 'Politik Gespraeche' hier die 
Einschaetzung der politischen Lage in Sierra Leone
vom Civil Peace Service (CPS) Koordinator in SL, 
Dr. Sheku Kamara: 

'The spike in rape cases, especially of minors, has caught the
attention of the government through active engagement of women's
groups and civil society in general. To the extent that the First Lady
got involved in a national campaign dubbed "Hands Off Our Girls". The
recent declaration of rape as a national emergency by no less a person
than the President was viewed by many as a bold step in the right
direction.

The controversy between the ruling SLPP party and the main opposition
APC party over the Commissions of inquiry as it relates to legal
procedures and constitutionality has been a subject of public debate.
Legal/Constitutional matters will eventually find their way to the
courts. The resolve of the government to press ahead with the inquiry
and the opposition party's stance not to cooperate was sending some
waves of uncertainty as to what this would mean for the security of
the state. Behind the scenes here was lot of engagement and the the
only thing the opposition could have done is to take the matter to
court for interpretation and judgement. This is what they've done now.'

Politik Gespraeche

Letzte Woche konnte ich vor meinem Fenster eine Demo der Polizei und des Militaers beobachten – gegen sexuellen Missbrauch von Frauen und Maedchen – mit Musik: Muss i denn muss i denn zu Staedele hinaus (ein Song, den ich nun schon zum 2. Mal bei einem Umzug gehoert habe):

Demo_Sanders_Street

President Bio und seine Frau haben eine Kampagne gegen sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung gestartet, nachdem die Kriminalitaetsrate in diesem Bereich im letzten Jahr drastisch gestiegen war und einige schockierende Faelle bekannt wurden. In diesem Kontext wurde die Demo initiiert. Ueberall haengen grosse Plakate mit Aussagen der Praesidentengattin dazu. Einen Artikel koennt ihr hier nachlesen:

https://www.thesierraleonetelegraph.com/sierra-leone-government-tackles-rape-epidemic/

Hier findet ihr die Formulierung:
James Fallah-Williams: Sierra Leone Telegraph: 11 February 2019:
‚The head of state of the Republic of Sierra Leone, President Julius Maada Bio, declared last week that rape has become a national emergency, and went on to state that anyone caught molesting minors would be punished by life in prison.

Die ‚Welt‘ hatte dazu am 2.10 tituliert: Vergewaltigungsfaelle – Sierra Leone erklart den nationalen Notstand (https://www.welt.de/politik/ausland/article188508979/Sierra-Leone-Brutale-Vergewaltigungen-Praesident-erklaert-nationalen-Notstand/html)

Meine Kollegen sagen aber, diese Formulierung sollte den Ernst der Lage ausdruecken, der Praesident haette jedoch nicht den nationalen Notstand ausgerufen, wie es z.B. waehrend der Ebola Krise der Fall war.

Alle hoffen, dass den Worten Taten folgen und die Kampagne greift.

Was die Menschen auch sehr, sehr beschaeftigt, sind die beginnenden Verhandlungen im High Court, in denen Korruptionsfaelle der Vorgaengerregierung der Partei APC (All Peoples Congress) aufgedeckt werden sollen. Die APC ihrerseits versucht die Prozesse zu stoppen, denn sie befuerchten, dass die Verhandlungen nicht fair gefuehrt werden. Sicher fuerchten sie auch Rueckzahlungen …

 

De*n tok de*m na Sanders Street

Gestern hatte ich einige nette Gespraeche in der Sanders StreetDe*n fain, fain tok de*m na Sanders Street. De*n … de*m ist der unbestimme Plural bei Substantiven.

1. Komplimente austauschen auf der Tuerschwelle zum SLADEA office

Eine Besucherin (B) von SLADEA: Mir gefallen deine Haare.

Sigi: Danke, die Farbe ist das Original. Nur der Schnitt, ich mag sie auf einer Seite laenger als auf der anderen.

B: Ich weiss, sieht gut aus.

S: Mir gefaellt dein Lippenstift.

B: Vielen Dank, wir sehen uns.

Jetzt brauch ich einen Frisoer, der mir das so schneidet.

2. Kontakte knuepfen und vertiefen

Ich hatte von Moses erzaehlt, der mir beim Warten auf Gunther Wasser angeboten hat. Heute traf ich ihn wieder und wollte Eukalyptus Bonbons beim ihm kaufen. Ich hab sie geschenkt bekommen. Sein Bruder, Mustafa, verkauft Lebensmittel gegenueber von meinem Buero gleich neben der Apotheke. Er stellte mich vor und ich konnte 6 Eier kaufen (8.000 Leone = 80 Cent). Beide sind Fula und sind nun meine Freunde. Die Fula, auch als Fulani, Fulbe oder Peul bezeichnet, sind in West- und Zentralafrika zu Hause, sie sind oft Haendler und auch im Bereich Bildung aktiv – in Sierra Leone seit dem 18. Jahrhundert (das hab ich aus dem Sierra Leone Reisefuehrer, den mir das EPiZ zum Abschied geschenkt hat, entnommen).

3. Ohrringe austauschen beim Brot kaufen

Nach dem Brot kaufen vor meinem Buero (ein Laib Weissbrot 5.000 Leone = 50 Cent):

Sigi: Mir gefallen deine Ohrringe.

Verkaeuferin (V): Deine sind auch sehr schoen. Wollen wir tauschen?

Sigi: Tolle Idee.

Auf dem Rueckweg an einem anderen Verkaufsstand: Die Ohrringe machen dich juenger, wie sweet sixteen.

Nach dem Tausch …

Zum weiteren Tauschen bring ich wohl aus dem ersten Heimaturlaub weitere Ohrringe aus Deutschland mit.

4. Was kochst du heute Abend?

Ein Kollege (K): Wo warst du denn gestern, ich hab dich gar nicht gesehen.

Sigi: Wir sind in unser Appartment eingezogen, jetzt kann ich selber kochen.

K: Gratulation. Was kochst du heute Abend?

Sigi: Wahrscheinlich Omelett.

K: Nur Omelett ??? Warum nicht Kasava leaves oder Potatoe leaves?

S: Kann ich noch nicht, aber Gunther hat Videos im Internet gefunden, dann kann ich das nachkochen – mit dem Laptop.

K: Fuer wen willst du das kochen?

S: Am Besten fuer viele Gaeste, dann lohnt sich der Aufwand.

K: Das wuerde ich nicht machen. Koch lieber fuer Gunther und dich zuerst. Schau dir das Video an und mach eine Einkaufsliste. Nach dem Einkaufen kannst du das Video noch ein paar mal anschauen und dann kochen. Wenn das Experiment gelungen ist, und das dauert bestimmt eine Woche, kannst du Gaeste einladen …

Aha, guter Plan.

5. Are you the expected?

Im Buero wurde ich einem Executive Officer (EO) einer der Branches von SLADEA (in Freetown) als die erwartete von Brot fuer die Welt vermittelte Person vorgestellt (zur Erinnerung, SLADEA ist eine Dachorgansitation von 15 Branches in 15 verschiedenen Orten in Sierra Leone, die in der Erwachsenenbildung taetig sind).

EO: So you are the expected – Jesus?

Alle sind belustigt ueber den Vergleich ‘the expected’/ Jesus 🙂

Gelegenheit fuer mich mit Humor meine Rolle bei SLADEA zu erklaeren.

Es hat sich mal wieder bestaetigt, Humor ist hier einer der wichtigsten Tueroeffner.

In Sachen Schlagfertigkeit kann ich hier viel ueben.

Und so lerne ich taeglich dazu :-).

Sigi